Die Stimme einer Stadt (Teil 5)

Die Stimme einer Stadt (Teil 5)

Platti Lorenz
von Platti Lorenz
12. März 2025
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Keine zwanzig Schritte weiter stand es dann, ein mehrere Meter langes, breites und hohes Gebilde aus dunkelgrauem Gestein. Es erinnerte mich an eine Form von Bauwerken, die ich nur von alten Erzählungen her kannte. Und zwar waren es Erzählungen von genau der Sorte, in denen zornige Gottheiten, angeheiterte Orakel und höchst fragwürdige bis inzestuöse Liebesverhältnisse eine sehr bedeutende Rolle spielten.

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Dieses felsige Objekt präsentierte sich seinem Publikum nach allen vier Seiten mit einer zwanghaft eng gestellten Säulenreihe und kunstlosen Reliefs, die in mir persönlich wenig Zutrauen weckten. Selten war ich einem Gebäude begegnet, das in der Lage war, eine dermaßen selbstbewusste Persönlichkeit auszustrahlen. Obgleich dieses Bauwerk in seiner Form sehr einfach und bis auf seine Größe viel zu unspektakulär konstruiert wirkte, trauen konnte man ihm nicht. Allein die Art wie es da stand! – Es hatte einen verdammt miesen Charakter.

Ein gewöhnlicher Mensch mit einem halbwegs gesunden Selbsterhaltungstrieb hätte sich schon instinktiv nicht länger als nötig in der Nähe dieses Gemäuers aufgehalten. Aber in dieser Stadt ...

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Soweit ich sehen konnte, richteten sich sämtliche Blicke auf einen grauen Gesteinsblock, der kaum langweiliger hätte sein können. Aber die Menschen schauten nicht einfach nur, sie fixierten. Sie sangen einen unverständlichen Text zu einer ungewöhnlich trägen Melodie. Sie taten unentwegt langweilige Dinge – wenn auch mit einer bemerkenswert leidenschaftlichen Hingabe. Und sie taten das alles, obwohl selbst hier vorne am unmittelbaren Ort des Geschehens weit und breit nicht ein Schild, Banner oder Plakat zu sehen war.

Was für ein merkwürdiger Marktplatz war das hier, wo es weder etwas zu holen noch zu sehen gab?

„Was soll das?“, rutschte es mir in gut hörbarer Lautstärke heraus. Provozierend schuldlos wartete ich auf eine Reaktion.

Vergeblich.

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All die Menschen um mich herum blickten stur geradeaus. Es war zwar gut möglich, dass ein paar von ihnen mich wirklich gar nicht wahrnahmen, doch andererseits ... Ich war mir sicher, dass die meisten der Umstehenden mich sehr wohl bemerkt hatten und nun heimlich hofften, dass ich es nicht merkte. Wie gesagt, die meisten ...

Ich hielt nach der Sorte Publikum Ausschau, die nicht so geübt im heimlichen Ignorieren war, weil sie noch insgeheimer hoffte, dass sie vielleicht etwas Interessanteres entdecken könnte. Etliche Leute in meiner Nähe taten zum Beispiel sehr beschäftigt, indem sie wie verbissen von mir weg starrten. Ohne Zweifel versuchten sie, den Blickkontakt trotz ihres inneren Verlangens nach Neuigkeiten und Abwechslung so lange wie möglich hinauszuzögern oder ganz zu vermeiden. Hier betrachtete ein Mann mittleren Alters sehr entschlossen die graue Säulenwand. Dort musterte eine ältliche Dame die Steinmetzarbeiten im oberen Drittel des Steinquaders mit unabdingbar ernstem Interesse. Ein junges Mädchen hatte die Asymmetrie ihrer Fingernägel entdeckt und studierte diese mittels hartnäckiger Betrachtung. Alle schauten sie woanders hin – stetig den Drang ihrer Neugier bekämpfend – und somit nicht in meine Richtung. Wie die Katze vor dem Mauseloch hieß es nun für mich, nur noch zu lauern und abzuwarten bis ... Blickkontakt!

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„Hah!“, rief ich und zeigte auf den armen Tropf, den es getroffen hatte.

Dicklich, weinerlich und offensichtlich unkonzentriert versuchte ein untersetzter, junger Mann krampfhaft an mir vorbeizugucken. Im Unterschied zu den anderen war er jedoch merklich in der Lage, auf sein soziales Umfeld zu reagieren. Und er hatte den Fehler gemacht, sich in genau diesem sozialen Umfeld umzusehen.

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Weiter lesen: Kapitel 4 (Teil 6)  | Buch 1

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