„Entweder“, fuhr Old Lady fort, „du nimmst ihn gleich ganz und gar – oder du lässt es sofort bleiben. Ich brauche jemanden, der sich gut um ihn kümmert – auf Dauer.“
„A-a-a-aber ...“
„Ach, um den Vermieter mach dir keine Sorgen. Das werde ich mit dem Wohnheim regeln. Außerdem tut es dir gut, etwas mehr Verantwortung zu übernehmen.“
„I-i-ich h-hab n-n-noch n-n-n-n-niee ...“
„Das wird schon gehen, Karel. Mit ihm womöglich sogar besser als mit anderen.“ Old Lady lachte und zwinkerte zu mir herüber. Ich legte den Kopf schief.
Der Mensch mit Hut schaute nur verwirrt erst zu Old Lady, dann zu mir. Ich putzte meine Pfote.
Worum auch immer es bei dieser Menschenunterhaltung ging, mich beschlich so langsam der Verdacht, dass ich dabei eine recht bedeutungsvolle Rolle spielte.
„I-i-i-i-ist e-er d-d- ...“
„Ja, er ist stubenrein und beherrscht alle Grundlagen des guten Benehmens. Du kannst also auch gerne Damenbesuch zu dir einladen“, Old Lady knuffte ihm zwinkernd mit dem Ellenbogen in die Seite. „Er ist neugierig, aber auch damit wirst du sehr gut zurechtkommen, denke ich. Auch wird er dir selbst und deinen ...“, sie suchte nach dem richtigen Ausdruck, „... und deinen sprachlichen Problemen hilfreich sein und letzteren sogar Abhilfe schaffen – wie bei einer therapeutischen Maßnahme.“
Meint sie damit wirklich mich?, dachte ich noch so bei mir und begann energisch, mich hinter dem linken Ohr zu jucken.
„I-ich ...“
„Du nimmst ihn? Wunderbar!“
„Nenenenenein, ich b-b-brauche ...“
„Noch etwas Zeit?“
Old Lady zwinkerte vergnügt.
„Einverstanden, du hast bis Ende der Woche Zeit, um deine Wohnung katzensicher zu machen. Dann bringe ich ihn vorbei.“ Sie hob den Zeigefinger. „Und ja, keine weiteren Ausflüchte.“
„Ahabe-er ...“
„Sehr gut, Karel. Ich lasse dir eine Liste zukommen. Darin findest du alles, was du benötigst. Ein paar Sachen bringe ich auch mit. Ich bin mir sicher, wenn du dich auch innerlich dazu bereit erklärst, wirst du sehr, sehr schnell Gefallen daran finden.“
„O-o-old L-la..“
„Auf Wiedersehen, Karel“, lächelte Old Lady – keinesfalls bereit, ein weiteres Widerwort in Kauf zu nehmen.
Der Mensch mit dem Hut seufzte.
„A-auf W-wieders-sehen.“
Dann sah er noch mal zu mir, lächelte kurz und unbehaglich, zupfte seinen etwas unhandlichen Kopfputz zurecht und verließ das Haus.
„Ein sehr ... interessanter ... Mensch“, meinte ich, sobald die Tür hinter ihm geschlossen war – wobei ich den Ausdruck „komisch“ aus Rücksicht auf Old Lady mit voller Absicht nicht benutzte. Stattdessen hoffte ich, dass meine Pausen entsprechend wirkten.
„Ach, findest du?“, fragte Old Lady überraschend erleichtert. „Ich wusste, du würdest ihn mögen“, ließ sie meine besondere Betonung außer Acht „Doch ich hoffe nur, dass das mit dem Hut nur so eine Phase ist.“
Es dauerte fast ganze zwei Wochen und eine sehr unbehagliche Reise in einem Picknickkorb, bis ich bemerkte, dass sich soeben meine Anschrift geändert hatte.
Noch keine Kommentare vorhanden
Was denkst du?